Jedes siebte Unternehmen schreibt Arbeitszeugnisse mit KI
KI-generiertes Bild Jedes siebte Unternehmen in Deutschland schreibt Arbeitszeugnisse mit KI, jedes zweite kann es sich vorstellen. Das spart Zeit, doch ein Zeugnis bleibt ein Rechtsdokument und im Personalbereich zieht die KI-Verordnung enge Grenzen.
KI schreibt inzwischen mit, wenn Betriebe ihren Leuten ein Zeugnis ausstellen. Nach einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom vom 18. August nutzt jedes siebte Unternehmen in Deutschland KI beim Schreiben von Arbeitszeugnissen, also 14 Prozent. Weitere 52 Prozent können sich den Einsatz vorstellen. Vor zwei Jahren lag dieser Anteil noch bei 45 Prozent. Für die Erhebung hat Bitkom Research zwischen April und Juni 602 Unternehmen ab drei Beschäftigten telefonisch befragt.
Arbeitszeugnisse sind dabei nur ein Feld von vielen. Am weitesten verbreitet ist KI in der Weiterbildung mit 16 Prozent, bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiter und bei der Einschätzung der Arbeitsbelastung sind es jeweils 13 bis 14 Prozent. Und bei der Bewertung der Arbeitsleistung, also der direkten Beurteilung von Menschen, greifen 12 Prozent der Betriebe zu KI.
Ein Zeugnis ist ein Rechtsdokument, kein Serienbrief
Der Reiz liegt auf der Hand, denn ein Zeugnis zu formulieren kostet Zeit und folgt festen Mustern, die eine KI schnell nachbaut. Der Haken liegt genauso offen. Ein Arbeitszeugnis muss wahr sein und zugleich wohlwollend. Es arbeitet mit einer verschlüsselten Sprache, in der eine kleine Nuance über eine gute oder eine mittelmäßige Bewertung entscheidet. Eine KI, die frei formuliert, kann Leistungen erfinden, den Ton verfehlen oder eine Formel setzen, die vor Gericht anders gelesen wird als gemeint. Die Verantwortung für das unterschriebene Dokument bleibt in jedem Fall beim Betrieb.
Dazu kommt der Datenschutz. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder verweist darauf, dass die Hemmschwelle im Personalbereich höher liegt, unter anderem wegen offener Fragen bei Datenschutz und der europäischen KI-Verordnung. Das ist berechtigt. Ein Zeugnis steckt voller personenbezogener Daten und die KI-Verordnung stuft KI im Bereich Beschäftigung und Personal als Hochrisiko ein, sobald sie Menschen bewertet oder über sie entscheidet.
KI darf den Entwurf liefern, nicht die Verantwortung tragen
Für deinen Betrieb heißt das nicht, die Finger davon zu lassen, sondern die Rollen klar zu verteilen. Lass die KI einen Rohentwurf bauen, aber gib ihr dafür keine vollständigen Klarnamen und keine sensiblen Personaldaten über einen offenen Gratis-Dienst, der die Eingaben weiterverwendet. Nutze stattdessen ein Geschäftskonto, das nicht mit deinen Daten trainiert. Den fertigen Text prüfst du danach selbst. Ein Zeugnis muss wahr und zugleich wohlwollend sein und die üblichen verschlüsselten Formulierungen müssen sitzen, sonst wird aus der Zeitersparnis schnell ein Rechtsstreit. Und sobald KI nicht nur formuliert, sondern Menschen bewertet oder vorsortiert, etwa bei der Leistungsbeurteilung oder in der Bewerbungsauswahl, greifen die strengeren Pflichten der EU-KI-Verordnung für Hochrisiko-Systeme. Wer die letzte Entscheidung bei einem Menschen lässt und die KI als Schreibhilfe behandelt, nutzt die Zeitersparnis und bleibt trotzdem auf der sicheren Seite.
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Diese Meldung im Wochenüberblick: KI-Woche KW 34