Editorial
In diesen zwei Wochen verschiebt sich, was ein KI-Assistent für dich ist, weg vom bloßen Antworten hin zum Suchen und Handeln. Die EU-Kommission behandelt ChatGPT jetzt amtlich wie eine sehr große Suchmaschine, also wie einen Kanal, über den Kunden dich finden oder übersehen. Claude darf seit Ende August in Chrome selbst klicken und Formulare ausfüllen, was Fleißarbeit abnimmt und zugleich Zugriff auf deine offenen Anmeldungen bekommt. Eine inzwischen geschlossene Lücke in Microsofts Copilot zeigt, was dabei auf dem Spiel steht, sobald ein Assistent dein Postfach und deine Dateien mitlesen darf. Für dich heißt das, den Zugriff bewusst zu steuern und im Blick zu behalten, was diese Werkzeuge über dich sagen und in deinem Namen tun.
Die Meldungen
Amtlich ist ChatGPT jetzt ein Suchkanal für deine Sichtbarkeit
Rechtlich war ChatGPT bisher ein Chatbot, jetzt gilt der Dienst in Europa als Suchmaschine. Die EU-Kommission hat ChatGPT am 31. August als sehr große Online-Suchmaschine unter dem Digitale-Dienste-Gesetz eingestuft, weil der Dienst Anfragen auch durch aktives Durchsuchen des Webs beantwortet. Die neuen Transparenz- und Risikopflichten treffen OpenAI, für dich zählt die amtliche Bestätigung dahinter, dass Menschen ChatGPT so zum Suchen benutzen wie früher nur Google.
Prüf, was die Antwortmaschine über dich sagt: frag ChatGPT nach deinem Namen und deinem Betrieb und halte deine öffentlichen Angaben auf deiner Website, im Impressum und in Branchenprofilen aktuell, damit sie mit korrektem Material arbeitet.
Claude übernimmt im Browser die Klickarbeit, samt deiner Logins
Bisher konnte Claude nur antworten, jetzt handelt er auch im Browser. Anthropic hat seinen Agenten Claude in Chrome am 26. August aus dem Pilotbetrieb für alle zahlenden Pläne freigeschaltet, vom Pro-Tarif bis Enterprise, der kostenlose Zugang bleibt außen vor. Einmal als Erweiterung installiert, liest der Agent die Seite, klickt Links und füllt Formulare mit deinen bereits angemeldeten Konten aus, was wiederkehrende Portal- und Dashboard-Arbeit abnimmt.
Gib dem Agenten nur Aufgaben, deren Schaden du überblickst: richte ihn in einem eigenen Browser-Profil mit nur den nötigen Konten ein, halte Online-Banking und Zahlungsdienste außen vor und schau ihm in der ersten Zeit bei jedem Schritt zu.
Ein Klick reichte, damit Copilot Postfach und Dateien preisgab
Wer den kostenlosen Copilot mit Postfach oder Cloud verbindet, hatte monatelang ein Datenleck im Haus. Das Sicherheitsunternehmen Varonis hat die Schwachstelle unter dem Namen CoSnitch offengelegt, über die ein einziger Klick auf einen präparierten Link reichte, damit Copilot Personal Betreff und Inhalt von Mails, Termine und Dateinamen an einen fremden Server schickte. Microsoft hat die Lücke am 18. August geschlossen, Hinweise auf einen tatsächlichen Missbrauch gibt es laut den Forschern nicht.
Zieh eine klare Grenze zwischen privatem Assistenten und Geschäftsdaten: sieh in den Einstellungen nach, welche Konten dein Copilot mitlesen darf, trenne alles Unnötige und lass Betriebsunterlagen nicht über die kostenlose Version laufen.
Ausprobier-Tipp der Woche: Der 10-Minuten-Zugriffs-Check für deine KI-Assistenten
Nimm dir zehn Minuten und geh einmal durch, worauf deine KI-Assistenten zugreifen dürfen. Öffne bei jedem Dienst, den du mit Postfach, Kalender oder Cloud verbunden hast, die Verbindungs- oder Berechtigungsübersicht und trenne jedes Konto, das der Assistent nicht wirklich braucht. Wenn du einen Browser-Agenten wie Claude in Chrome nutzt, gib ihm ein eigenes Profil ohne Online-Banking und ohne Zahlungsdienste. Zum Abschluss frag ChatGPT einmal, was es über deinen Namen und deinen Betrieb sagt, damit du weißt, mit welchem Bild dich Kunden über die neue Antwortmaschine finden. Aus diesen drei Handgriffen wird eine kleine Routine, die du künftig bei jedem neuen KI-Werkzeug wiederholst.